19.09.2006
Leserbrief für die MOZ, Lokalredaktion Eberswalde

Zu: „Bahnhofsfest ohne Bahn“, Barnim Echo vom 19.09.2006

Wer von Zeit zu Zeit mit der Bahn durch das Land reist, sieht sie überall – die ehemals stolzen, heute dem Verfall preisgegebenen Bahnhofsgebäude. Von Jahr zu Jahr nehmen die Schäden zu, doch niemand scheint sich dafür zu interessieren. Eines Tages bleibt dann nur, die Schandflecke abzureißen. Wenn es tatsächlich Menschen gibt, die neue Nutzungskonzepte für solche Gebäude entwickeln möchten, haben sie es wiederum mit der Bahn zu tun. Ein Slalom durch den Dschungel der Zuständigkeiten beginnt und manch einer wird schnell an der Bürokratie scheitern. Also bleibt alles beim Alten. Die Bahn versteht sich nicht mehr als Dienstleister und Partner der Region, sondern denkt nur an Gewinn. Gewinne sind in der Regel nicht auf dem dünn besiedelten Land zu erzielen. Ein erster Schritt war die Privatisierung von Nebennetzstrecken. Doch hier drohen nun Streckenstilllegungen, weil das Land Brandenburg keine Möglichkeiten für die weitere finanzielle Unterstützung sieht. Es ist ein Sterben auf Raten! Tourismus ist für die Bahn in der Prignitz, Uckermark oder dem Barnim kein Markt. Nur so ist das Desinteresse zu erklären. Nicht einmal Gesprächsbereitschaft ist vorhanden! Wenn es dennoch Menschen gibt, die trotz aller Hürden an der Realisierung ihrer Träume festhalten, ist dieses Engagement zu bewundern. Zu wünschen bleibt, dass sie zunehmend Rückhalt bei Politikern und Bürgern finden. Touristische Angebote benötigen Vernetzungen, weil das Hauptanliegen auf die Stärkung der Region gerichtet ist. Hinzu kommt, dass Stilllegungspläne für ganze Strecken oder einzelne Haltestellen, wie momentan geplant, nicht nur die betroffenen Kommunen schädigen, sondern dem Prinzip der Verknüpfung von Angeboten entgegenstehen.

Karen Oehler